Schizophrenie
Von überforderten Eltern ausgeliefert
Luisa* war 12, als ihre wichtigste Bezugsperson, die über alles geliebte Oma, plötzlich verstarb. Daraufhin brach sie psychisch zusammen: Schock, tiefste Trauer, Angstzustände. Von überforderten Eltern vermeintlichen Experten ausgeliefert, musste sich das Mädchen von pharmafixierten Ärzten eine „paranoide Schizophrenie“ andichten lassen. Vier Jahre lang verbrachte es in psychiatrischen Kliniken und Heimen, vollgestopft mit Psychopharmaka – mit schwersten Nebenwirkungen. Erst das 24. AUSWEGE-Camp im Sommer 2016 leitete für die inzwischen 16-Jährige die Wende ein: Seither ist Luisa wieder zu Hause, setzte ihre Medikamente weitgehend ab, fand ins Leben zurück. (Näheres über diesen Fall in Harald Wiesendanger: Der Psychofalle entkommen (2018), Schriftenreihe Psycholügen, Band 10, S. 109-191.)
Tödliche Fehldiagnose
Wegen eines Gendefekts hielten bei der 39-jährigen Mandy* nicht nur die Folgen einer schweren Fischvergiftung an; sie vertrug auch keinerlei Medikamente. Trotzdem verabreichten Ärzte ihr zwangsweise Psychopharmaka, wegen einer angeblichen Schizophrenie – und brachten die junge Frau damit im Jahr 2016 um. In Mandys unsäglicher Leidensgeschichte gab es ein einziges Zwischenhoch: während und nach einem Aufenthalt im 18. AUSWEGE-Therapiecamp. (Näheres über diesen Fall in Harald Wiesendanger: Der Psychofalle entkommen (2018), Schriftenreihe Psycholügen, Band 10, S. 76-91.
In den Mühlen der Anstaltspsychiatrie
Als Schülerin war Marie* (44) jahrelang übelst gemobbt worden. Im Abitur versagte sie an Aufgaben, die im Unterricht nicht behandelt worden waren. Voller Verzweiflung drehte sie durch, attackierte ihre Eltern, zerstörte Mobiliar, führte Selbstgespräche. Statt psychotherapeutisch behutsam aufgerichtet zu werden, geriet sie wegen angeblicher Schizophrenie in die Mühlen der Anstaltspsychiatrie, welche die junge Frau daraufhin mit Neuroleptika seelisch, geistig und körperlich zugrunde richtete. Nur zwei Lichtblicke gab es in ihrer Entwicklung: während zweier Teilnahmen an AUSWEGE-Therapiecamps 2016 und 2017 - inzwischen schon Mitte Vierzig. (Näheres über diesen Fall in Harald Wiesendanger: Der Psychofalle entkommen (2018), Schriftenreihe Psycholügen, Band 10, S. 12-28.)
Zu harte Nuss – zumindest für die herkömmliche Psychiatrie
Markus* war 2013 eine paranoide Schizophrenie (ICD: F20.0) diagnostiziert worden. Hinzu kam eine depressive Reaktion, nachdem er 2018 seinen Job verlor, der ihn überfordert hatte. Seither fühlte er sich andauernd niedergeschlagen, klagte über Wortfindungs- und Sprechstörungen. Sechs Wochen lang ließ er sich daraufhin in einer psychiatrischen Klinik stationär behandeln. Dort sei „bizarres, vom Patienten auf Ansprache dissimuliertes Verhalten“ aufgetreten, wie es im Befundbericht hieß. (Wer „dissimuliert“, verbirgt, verheimlicht eine Krankheit oder ihre Symptome.) „So wirkte er plötzlich in den Denkassoziationen gelockert, verhaspelte sich beim Sprechen, unvermittelt lachend, auch zeitweise mit sich sprechend“. Markus sei arbeitsunfähig. Bei der jüngsten Untersuchung im April 2019 stellte der behandelnde Arzt zudem fest: „chronische Angststörung, Schlafstörungen, Magenschmerzen; ängstlich nervös-unruhig; bekommt oft kein Wort heraus“.
Aber auch Markus, für die herkömmliche Psychiatrie anscheinend eine unknackbar harte Nuss, blühte im Laufe eines AUSWEGE-Therapiecamps 2019 erfreulich auf. Wie der damals 36-Jährige am Ende aufzählte, sei er „aufnahmefähiger“ geworden, „ruhiger, gelassener, entspannter, nicht ganz so verkrampft“. „Er lächelt mehr“, fiel seinen mitgereisten Eltern auf, wie auch sein „gesteigertes Selbstbewusstsein“ und „positive Einstellungen“. Und Markus öffnete sich für Gespräche. Viel Applaus erhielt er, als er sich zweimal traute, vor versammelter Runde eine Geschichte vorzulesen.
Über die Verwandlung ihres Sohnes staunten die mitgereisten Eltern – und fanden reichlich lobende Worte für das Therapiecamp: „Tolles Team, sehr familiärer, freundschaftlicher und ehrlicher Umgang miteinander. Keine Gegner, keine Feinde, keine Scham. Tolle Natur mit guter Luft, in der man freien Kopf bekommen, einen Bezug zum Natürlichen wiederfinden, sich mit sich selbst auseinandersetzen kann – was es bedeutet, ein Mensch zu sein. Tolle, herzliche Organisation. Danke dafür, dass wir hier sein durften.“
„Es war der Hammer!“
Eine erstaunliche Verwandlung durchlebte Oliver* (59) in einem AUSWEGE-Therapiecamp 2019. Dorthin war er schwer depressiv gekommen, seit seiner Jugend von Selbstmordgedanken verfolgt, im Griff von Alkohol- und Spielsucht, belastet durch eine anhaltende Ehekrise und gestörte Beziehungen zu seinem leiblichen Sohn, wie auch zu den beiden Töchtern seiner neuen Lebensgefährtin. Noch am Ankunftstag hatte er rabenschwarz gesehen. „Seit Anreise genervt und gestresst“, so vertraute er seinem Tagebuch an. „Ohne Erwartung. Keine Ahnung, weswegen ich hier bin oder auf was ich mich behandeln lassen soll, obwohl genug bei mir anliegt.“
Doch im Campverlauf sah man Oliver immer häufiger, immer länger ausgeglichen, gut gelaunt, freundlich und aufgeschlossen, trotz gelegentlicher Durchhänger und Rückzüge. Einzelne Sitzungen beschrieb er als „unwahrscheinlich aufschlussreich“, „ergiebig und zielführend“, „sehr entspannend und beruhigend“; Teammitglieder seiner Wahl fand er „toll“. Während einer Watsu-Sitzung in den Armen seines Therapeuten liegend und sanft durchs Wasser bewegt, „war es so, als hätte ich mich aufgelöst oder wäre ein Engel im Universum. Tolle Gefühle, eine tiefe Entspannung.“ Eine schamanische „Dämonenaustreibung“ war für Oliver „der Hammer! Nach kurzer Zeit verkrampfte ich; heulend, schreiend und würgend lag ich auf dem Boden. Um mich herum absolute Schwärze.“ Am Ende, so vermerkte er in seinem Patienten-Fragebogen, „haben die Symptome meiner Depression deutlich nachgelassen. Ich habe viel mehr Lebensmut und Selbstliebe. Ich stehe wieder zu meiner Partnerschaft. Ich bin unbeschwerter, befreiter, glücklicher, zufriedener.“
Auswege bei psychischen Leiden: erst dank Profis?
Sowohl in den AUSWEGE-Camps als auch in den Praxen des AUSWEGE-Netzwerks treffen Patienten nur selten professionelle Psychotherapeuten oder gar Fachärzte für Psychiatrie an. Wie können psychisch Belastete dort überhaupt Hilfe erwarten? Wen das wundert, der kennt nicht den erstaunlichen Forschungsstand: Bei seelischen Leiden erreichen einfühlsame, kommunikativ kompetente, lebenserfahrene Laien demnach im allgemeinen keineswegs weniger als studierte Psycho-Profis – auch bei Schizophrenie. Belege und Gründe dafür stellt der AUSWEGE-Gründer Dr. Harald Wiesendanger in seiner 10-bändigen Schriftenreihe Psycholügen vor, insbesondere in Band 3: „Seelentief - Ein Fall für Profis?“ (2017)